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JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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SoSe 2013 - Protokoll 9. Sitzung

SoSe 2013 - Protokoll 9. Sitzung

11. Juni 2013

Protokollant: Anton Stortchilov

Organisatorisches

Es wird angemerkt, dass einmaliges Fehlen unproblematisch ist, das zweite Mal anzumelden ist, dreimaliges Fehlen inakzeptabel ist.

I. Referat: Rechtsphilosophie

Es wird ein Artikel von Ze'ev Falk, „Jüdisches Religionsgesetz in der Modernen und Postmodernen Welt“ referiert.(ZEEV FALK, „Jewish Religious Law in the Modern (And Postmodern) World“, in: Journal of Law and Religion, Bd. 11, Nr. 2 (1994/1995), S. 465-466.)

Zur Anleitung merkt Dr. Miller an, dass das jüdische Recht und die jüdische Religion zusammenhängen. Was für Recht gilt, gilt auch für die Religion, und umgekehrt. Es ist bei aller Bestrebung, sich innerhalb dieser Veranstaltung auf rechtliche Fragen zu konzentrieren, nicht immer möglich, dazwischen zu trennen.

Die Referentin fängt damit an, die Konzepte der Halacha und der Moderne zu definieren.

Die Halacha

Die Tora beinhaltet laut Falk Erzählungen (Agada), Glaubensfragen (Emuna), Moral (Derech Erez) und Gesetz (Halacha). Moral und Glaubensfragen ergänzen dabei die rechtlichen Regelungen. Orthodoxe Juden halten sich streng an die Vorgaben der Halacha. Konservative und progressive Juden halten sich in verschiedenem Maße daran – für sie ist es eine Frage ihres eigenen Gewissens.

Die Moderne

Die Moderne wird von Falk mit Rationalismus und Universalismus in Verbindung gebracht. Moses Mendelssohn, der Vordenker der Haskala (jüdische Aufklärung), trennte zwischen „ewigen“ und „historischen“ Wahrheiten in der Bibel. Die ewigen Wahrheiten sind mit menschlicher Vernunft erfassbar (rational) und für alle Menschen gleichermaßen gültig (universell). Die historischen Wahrheiten sind die eigentümlich jüdischen Regeln, die Gott Moses am Berg Sinai übergab.

Sodann wird auf den Einfluss der Modernisierungsprozesse der jeweiligen Rechtswissenschaft auf das jüdische Recht eingegangen:

- Im englischen Recht werden um 1800 Forderungen nach einer Erneuerung des Gesetzes nach utilitären Prinzipien laut. Zugleich entsteht dort das Reformjudentum, das die Rückkehr nach Zion, den Wiederaufbau des Tempels und die Opfer ablehnt.

- In Deutschland entsteht im 19. Jahrhundert die Pandektenwissenschaft, eine minutiöse Auseinandersetzung mit dem römischen Recht. Die „Wissenschaft des Judentums“ bediente sich derselben Methode, um die jüdischen Rechtsquellen systematisch auslegen zu können. Das Konservative Judentum bedient sich hingegen der „soziologischen Rechtspflege“, die Normen als einem Zweck dienlich verstehen. Das orthodoxe Judentum hingegen nutzte den Rechtspositivismus, um ihre strenge Auslegung der Normen vor moralischer und historisch-gesellschaftlicher Kritik zu schützen.

- In Skandinavien und den Vereinigten Staaten entstehen im 20. Jahrhundert verschiedene rechtswissenschaftliche Theorien, deren Auswirkungen auf den Umgang mit der Halacha noch schwer abzusehen sind.

Danach wird auf die Entwicklung des jüdischen Rechts eingegangen.

- Das vormoderne jüdische Recht spiegelt die Reaktionen der Rabbiner auf Argumente der zeitgenössischen Kritiker wie Samariter, Sadduzäer, Christen, Muslime, Karäer und anderen wider. Dabei war ihre Authentizität ihr stärkstes Argument für ihren Glauben.

- Während aber neue Offenbarungen von außen, wie etwa die christliche Heilsbotschaft, entschieden abgelehnt wurden, wurde die Tora selbst flexibel ausgelegt. Jeder neuen Generation war grundsätzlich eine Neuauslegung zugebilligt.

- Die gemeinsame Tradition zerbrach mit der Aufteilung in „orthodoxes“, „konservatives“ und „liberales“ Judentum. Der theologische Diskurs unter den verschiedenen Richtungen war Mangels Konsens in Kernfragen nicht mehr möglich.

Die rechtsphilosophischen Probleme, mit denen sich nach Falks Meinung das orthodoxe Judentum auseinandersetzen müssen wird, werden daraufhin aufgelistet:

- Das kartesische Konzept des universalen Zweifels, da die Halacha den Meinungspluralismus voraussetzt.

- Rationalismus, da er schon in der Ablehnung von Prophezeiungen und Wundern angelegt ist und da die Halacha selbst verlangt, neu interpretiert zu werden und vom Buchstaben des Textes abzuweichen, um vernünftige Entscheidungen zu treffen.

- Das demokratische Prinzip: es sollen nicht Rabbiner allein in Glaubensfragen entscheiden. Auch dies habe einen Präzedenzfall in der Geschichte der Chanukka, die per Akklamation zum Feiertag erklärt worden sei.

- Chanukka ist ein Fest, das eines Wunders gedenkt – die aufständischen Juden haben unter der Führung der Makkabäerbrüder die griechischen Eroberer aus Jerusalem und dem Tempel vertrieben. Auf wundersame Weise reichte das geweihte Öl acht Tage lang aus, um den Tempel zu beleuchten, bis neues Öl herangeschafft werden konnte.

- Dr. Miller merkt an, dass es bessere Beispiele für das demokratische Prinzip gibt. So wurde die Auffindung des 5. Buches Mose und die Gültigkeit dieses Buches unter König Josia um 7. Jh. v.d.Z. durch das Volk bestätigt, welches dafür nach Jerusalem bestellt wurde. Eine ähnliche Situation finden wir bei Esra um 450 v.d.Z.

Die Postmoderne

Sodann wird die Postmoderne angesprochen. Das epochale Ergebnis ist dabei die Schoah, die viele Menschen an der Verbindlichkeit der Ideale der Moderne zweifeln ließ. Die kritische Rechtswissenschaft hat sowohl die Legitimität der Gesetze und Rechtssysteme als solche als auch die prozessualen Regelungen und den Diskurs über das Recht in Frage gestellt. Die Möglichkeit einer objektiven Auslegung irgendeinen Textes wurde verneint und verworfen. Ze'ev Falk führt Postmoderne im Wesentlichen auf drei Denker zurück: Karl Popper, Ludwig Wittgenstein und Emanuel Levinas.

-  Popper verwirft alle nicht falsifizierbaren Theorien und Gedankensysteme als unwissenschaftlich.
-  Wittgenstein verneint die Möglichkeit, durch Sprache empirische Wahrheit auszudrücken. Vielmehr sei die Sprache selbst ein System, in dem jeder Ausdruck bestimmten Regeln folgen muss.
-  Levinas rebelliert gegen den Historismus und gegen die ontologische Philosophie, und baut seine Philosophie auf Basis der Ethik des Pluralismus und des sich-um-den-anderen-Kümmerns.

   Eine wichtige Rolle spielte zudem zum einen die Schoa, indem sie die Juden vom Modernismus entfremdete. Der Rationalismus hat nicht dazu geführt, dass derart barbarische Verbrechen unmöglich wurden, und hat damit also versagt. Zum anderen führte der selbstaufopfernde Kampf um das Existenzrecht des Staates Israel zur Rückkehr zum Glauben an Gott, da sonst die ganzen Opfer umsonst gewesen seien.

  Im westlichen Diskurs war der Postmodernismus eine Antwort auf die Totalitarismen des 20. Jahrhunderts und den Bankrott sämtlicher modernistischer Philosophien. Eine der Folgen des Postmodernismus waren die Radikalen Theologien, wie die christliche „Gott-ist-tot“-Theologie. Jüdische Denker haben aus den Erfahrungen der Schoa die Gottlosigkeit der Weltgeschichte und die Unmöglichkeit der Wunder abgeleitet.

Postmodernismus und Gesetz

  Die critical law studies stellten die Objektivität des Gesetzes, die Bedeutung der Gesetzestexte und die Legitimität der Rechtspflege an sich in Frage. Rechtskonzepte lassen sich nicht objektiv definieren, und jede Vertragsseite schafft ihr eigenes Gerechtigkeitsnarrativ.

Postmodernismus und Judentum

  In den Vereinigten Staaten hat die rabbinische Rechtsprechung an Attraktivität gewonnen, weil sie nicht repressiv (da nicht auf Staatsgewalt beruhend) und pluralistisch (Midrasch!) sei. Dem stellt Falk entgegen, dass die Halacha durchaus genauso repressiv sein kann wie jedes andere Gesetz.

  Das nichtorthodoxe Judentum überlässt nach Falk heutzutage die moralischen Entscheidungen dem Gewissen des Einzelnen, wodurch diese Entscheidungen beliebig werden. Auf der Suche nach einem strukturierteren Leben wenden sich viele jüdische und nichtjüdische Amerikaner deshalb dem religiösen Fundamentalismus zu.

  Eugene Borowitz berichtet in seiner „Theology of Covenant“ von seiner Erfahrung mit dem Göttlichen. Da Rationalismus und Wissenschaft wie oben gesehen keine absoluten Wahrheiten anbieten können und der menschliche Verstand keinen verlässlichen moralischen Kompass anbietet, ersetzt er die diskreditierten „universellen Werte“ durch die Halacha. Dem können aber freilich nicht alle Juden folgen, da seine Entscheidung für die Halacha subjektiv ist.

  Orthodoxe Juden nutzen den Postmodernismus um die moralische und rationalistische Kritik der Halacha zu delegitimieren. Sie übersehen dabei aber, dass das postmoderne Gedankengut die absoluten Orthodoxien mindestens genauso delegitimiert wie den Rationalismus.

  In Israel manifestiert sich das postmoderne Gedankengut unter anderem darin, dass während Nichtjuden eine Glaubensfreiheit genießen, Juden verschiedenen religiösen Gesetzen unterworfen sind, wogegen die Säkularisten protestieren. Die Forderung nach einer Trennung von Religion und Staat ist nach Falk nicht nur klassisch liberal, sondern auch postmodern, weil sie alle Werte hinterfragt.

  Ein anderes Beispiel für die Postmoderne ist die revisionistische Geschichtsschreibung, die die Gründungsgeschichte Israels und die Schoa neu thematisiert und die früher aus politischen Gründen verworfenen Ansichten rezipiert und diskutiert.

  Als drittes Beispiel führt Falk die Forderung von Ravitzky auf, den messianischen Zionismus zu revidieren, weil er den Verhandlungsspielraum im Friedensprozess schmälere.

Die postmoderne Herausforderung an die Wahrheit und die Antwort in der Tora

   Nachdem Nietzsche Gott und alle Werte hinterfragt und Wittgenstein die Bedeutsamkeit einer sprachlich ausgedrückten Festlegung negiert hat, stellt sich die Frage, inwiefern die Normen der Tora in dieser Perspektive absolute Relevanz haben können. Falk versucht demgegenüber wie folgt zu argumentieren:
-  Die jüdische Geschichte, mit einer Staatsgründung nach 18 Jahrhunderten Vertreibung und den unwahrscheinlichen Siegen gegen die arabische Übermacht könne die Aussage widerlegen, dass jüdische Geschichte frei von Gott sei.
-  Nicht nur sind die Konzepte der Tora sprachlich ausgedrückt, sondern das Konzept einer Wahrheit an sich selbst. Darum kann die Frage nach der „Wahrheit“ der Tora ebenfalls als ein „Sprachspiel“ verstanden werden. Sodann führt Falk einige mögliche liberale, pluralistische oder universalistische Interpretationen der Regelungen in der Tora an:
-  Der Henotheismus in der Tora etwa, die implizite Bejahung anderer Götter und Normen unterschiedlicher Völker, die an verschiedenen Stellen offensichtlich wird, könne dergestalt interpretiert werden, dass das Auserwähltsein der Juden im Kontext der Bibel und der jüdischen Geschichte verstanden werden müsse.
-  Die Schoa beweise nicht, dass es keinen Gott gebe, da ja jeder die vorliegenden Fakten und Ereignisse stets so interpretiert, dass sie in sein Weltbild passen. Ein Atheist sieht alles als Beweis für Atheismus, ein Religiöser alles als Beweis für seine Religion.
   Nach Nietzsche und Wittgenstein muss der jüdische Rechtsdiskurs zu einem Gespräch werden. Während die Orthodoxen durch ihre Präferenz gegenüber der Religionspraxis das liberale Judentum tolerieren können, können die Liberalen Legitimität für ihre laschere Praxis aus der Schoa schöpfen, die eine Neuverhandlung des Bundes mit Gott auf Basis freiwilligen Befolgens der Gebote und Verbote bedeuten müsse.
   Das Jüdische Recht ergibt auch dann einen Sinn, wenn es nicht als eine hierarchische, einheitliche, kohärente und geschlossene Einheit interpretiert wird. Nach der kritischen Theorie interpretiert, schuf der Bund mit Gott eine neue, souveräne Autorität: „Das Gesetz“, die auf Verständigung, nicht etwa auf Wahrheit basiert. Die Tora erschließt sich in einer Autor-Leser-Beziehung zwischen Gott und der jeweiligen interpretierenden Generation. Dabei ist die Intention des Autors, also Gottes, nicht so wesentlich wie die Interpretation durch die jeweilige Lesergemeinschaft. Entgegen dem griechisch-christlichen Logozentrismus versucht der Midrasch eben nicht, die Intention des Autors zu ergründen, sondern generiert die Bedeutung unmittelbar aus dem vorliegenden Text. Falk schränkt dies allerdings dergestalt ein, dass das jüdische Recht dennoch nur in Beziehung mit Gott sinnhaft ist. Die Berechtigung des Lesers, den Text zu interpretieren, ist von Gott an die Menschen delegiert und im Sinne der göttlichen Intention zu nutzen.
   Das jüdische Recht wird mitunter als eine Antithese des modernen amerikanischen Rechts gesehen, dem es als Vorbild zur Transformation in ein postmodern-pluralistisches Rechtssystem dienen könne. Das jüdische Recht enthält Mindermeinungen und führt eine Menge sowohl an alten, als auch an neueren und modernen Interpretationen und Entscheidungen auf, was die Flexibilität des Rechts offenbart.
   Diese Flexibilität ist umso wichtiger, da seit einiger Zeit religiöse und weltliche Entscheidungen de facto getrennt und eine Mehrheit der Juden säkularisiert ist, sodass die Entscheidung eines Rabbiners nur insoweit bindend sein kann, wie die Beteiligten bereit sind, sie als solche zu akzeptieren. Da das jüdische Recht zudem nicht nur zur Verehrung Gottes gedacht ist, sondern auch als der Weg zu Gott, müssen die rechtlichen Entscheidungen auf diese letztere Eigenschaft hin überprüft werden. Generell müsse, so Falk, das jüdische Recht weniger legalistisch sein, sondern mehr auf moralische Anleitung und die inneren Werte abzielen. Dazu gehört auch, dass das jüdische Recht die Standpunkte der historisch marginalisierten Gruppen wie der Frauen oder der Kinder aus Mischehen in den Diskurs mit anfnimmt. Wird das orthodoxe Rabbinat es nicht tun, wird der Staat womöglich alternative Rabbinate anerkennen.

Eine Antwort auf die Herausforderung: Das jüdische Recht

   Das jüdische Recht hat nach der Meinung von Falk immer noch eine Chance, säkulare Menschen anzusprechen und ihnen einen Ausweg aus ihrem Nihilismus, Subjektivismus und Anarchismus zu weisen. Dazu müsse das Hinterfragen rabbinischer Autoritäten kreativ beantwortet werden. Chilonijut, das säkulare Judentum, lehnt lediglich den Klerikalismus und den religiösen Druck ab, nicht aber die Religiosität an sich. Viele Chilonim gehen zu Gottesdiensten und heiligen einige Formen des Sabbat. Sie lehnen das jüdische Recht an sich nicht ab, aber behalten es sich vor, selektiv darin zu sein. Darum werden sie das orthodoxe Rabbinat als illegitim und autoritätslos ablehnen, solange es absolute Forderungen stellt. Eine nichtautoritäre Handhabe des jüdischen Rechts, die zur Befolgung mancher Regeln einlädt, hat eine deutlich höhere Chance auf einen Erfolg. Das jüdische Recht kann daher eine moderierende Rolle in einer individuellen Begegnung mit der Religion spielen.
   Einige konservative Denker behaupten, dass die Flexibilität der Halacha ein Dogma des jüdischen Glaubens sei. Andere haben auf die Gefahr des allgemeinen Geltungsanspruchs der Orthodoxie hingewiesen. Weitere Denker haben dem angefügt, dass heutzutage das individuelle Gewissen nicht vor der Halacha kapitulieren könne, daher eine neue halachische Struktur zu schaffen ist.
   Besonders im Staat Israel müsse das jüdische Recht, so Falk, inklusiv sein und die Rechte jüdischer "Ketzer" und der Nichtjuden akzeptieren, ohne sie zu richten oder zu verdammen. Während eine Form des Pluralismus unter den Rabbis vorherrschend war, erstreckte sie sich nicht auf nichtrabbinische Meinungen und schloss Samariter, Christen und andere aus. Theoretisch könnte das jüdische Recht aber auch nach orthodoxer Auslegung viel inklusiver, toleranter und pluralistischer sein. So könnten Ketzer als notwendige Folge der für den Gottesdienst notwendigen Freiheit des Willens angesehen werden. Toleranz und Pluralismus sind, so Falk, ohnehin keine Frage der Halacha sondern persönliche Einstellungen, wobei die genannten Eigenschaften im Interesse der orthodoxen Rabbiner seien, da das jüdische Recht in Israel in einer multikulturellen, pluralistischen und individualistischen Gesellschaft einer liberalen Demokratie funktionieren müsse. Dazu hat die Orthodoxie schon einen modus vivendi mit so heterodoxen Strömungen wie den Mitnagdim, den Chassidim und den Sephardim gefunden.
   Ferner liefert Falk eine aus der Überlieferung auf dem Berg Sinai und aus der Koexistenz der Schulen von Hillel und Schammaj abgeleitete Begründung dafür, dass der jüdische Glaube trotz unüberbrückbarer Unterschiede eine Gemeinschaft bilden kann. Zuletzt will Falk eine ökologische Komponente im jüdischen Recht stärker betont sehen, ebenso die Prinzipien des Friedens, der Bescheidenheit und der Selbstbeschränkung, die in einer postmodernen Gesellschaft stärker gefragt sein könnten.

Schlussfolgerung
   Die Herausforderungen der Moderne und Postmoderne an das jüdische Recht erfordert nach Falk Antworten nicht nur von Seiten der Rabbiner, sondern von jedem Angehörigen des Volkes Israel. Da es keine Strukturen wie einen Weltsynagogenrat gibt, werden diese Antworten stets spontan und einseitig gegeben. Die Herausforderung selbst ist, wie man die Tora und Halacha in heutiger Zeit mit neuem Leben füllt, damit sich die Menschen ihnen wieder verbunden fühlen können. Dabei habe Israel wieder einen Vorbildcharakter für die ganze Menschheit.

II. Gruppenarbeit

Es wird die Geschichte der Debatte um die Reinheit des Schlangenofens besprochen. Der Schlangenofen ist ein aus mehreren Teilen bestehender Ofen. Die Frage war: „wenn ein Bauteil des Ofens (im religiösen Sinne) verunreinigt wurde, dann aber durch einen reinen Bauteil ersetzt wurde, ist der Ofen insgesamt rein oder unrein?“. Alle Rabbiner waren in dieser Frage der Meinung, dass der Ofen unrein ist, nur Rabbi Elieser versuchte, seinen gegenteiligen Standpunkt durch eine Reihe von Wundern zu belegen.

Die erste Gruppe sollte dabei juristische Aspekte der Geschichte besprechen. Die zweite die gesellschaftlich-mystischen. Die erste Gruppe hat dem Protokollanten ihre Ergebnisse leider nicht zukommen lassen.

Die zweite Gruppe erörterte, ob der letzte Abschnitt des Textes, in dem überliefert ist, dass Gott „meine Kinder haben mich besiegt“ sagt, nicht blasphemisch sei. Judentum kennt das Konzept der Blasphemie aber nicht wirklich. Es wird die Frage aufgeworfen, wie der Rabbiner die Wunder gewirkt hat. Außerdem wird vermerkt, dass das Festhalten an Mehrheitsmeinung trotz wundersamer Beweise des Gegenteils ein demokratisches Element sei.

III. Nachtrag:

I. Gruppenarbeit

- Rechtliche Aspekte:

• Mängelhaftung: Zerlegung des Schlangenofens

• Demokratie/- Mehrheitsprinzip: Wird das Gesetz von der Mehrheit abgestimmt bzw. geändert?

• Gesetzgebung: Wer hat mehr Entscheidungsrechte? Gott oder die Gelehrten als Gesetzgeber?

- Rechtsstaatsprinzip

• Wie kann diese himmlische Stimme zur geltenden Norm werden?

Einzel-Analyse

- Rabbi Elieser argumentierte und brachte alle ihm möglichen Argumente/Nachweise um seine Ansicht zu fundieren

- Seine Argumente wurden von der Mehrheit abgelehnt

- Daraufhin bringt der Rabbi mehrere Beweise für seine Meinung in Form von einem Johannisbrotbaum, den Mauern der Lehrhauses und einer Wasserströmung, die ihm als Zeugen dienen sollen

- Es werde alle „Beweise“ oder „Zeugen“ nicht anerkannt

- Rabbi Elieser bringt nun einen Beweis aus dem Himmel, indem eine Stimme aus dem Himmel zu ihnen sagt: „dass die geltende Norm stets so ist, wie Rabbi Elieser es sagt.“

- Dann wird von Rabbis Jehoschua und Jirmija gesagt, dass die Tora sich nicht mehr im Himmel befindet und somit müsste man sich nach der Mehrheit und nicht nach dem „himmlischen Wort“ richten.

In dem Text geht es um die Auslegung der Tora (und um die Beweisführung/Beweiserbringung).