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JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Talmud - Workshop - Gemara Vierter Text

Talmud

Workshop

Mischna: Baba Mezia 4, 10

Wie es eine Übervorteilung bei Kauf und Verkauf gibt, so gibt es auch eine Kränkung durch Worte. Man darf nicht nach dem Preise einer Sache fragen, wenn man sie nicht zu kaufen beabsichtigt. Hat jemand Buße getan, so darf man nicht zu ihm sagen: Denke an deine früheren Taten. Stammt jemand von Proselyten, so sage man nicht zu ihm: Denke an die Taten deiner Vorfahren, denn es heißt: einen Fremdling (ger) sollst du nicht kränken und nicht bedrücken (Ex. 22: 20).

(Das Wort Übervorteilung heiß in der Tora "ona'a", was gleichzeitig auch Kränkung bedeutet.)

Gemara: Baba Mezia 59a

Folgender Midrasch wirft viele Fragen auf. Allerdings sollte man bei der Behandlung dieses Textes die Geschichte von König David und seinen Feldherrn Uria kennen. Außerdem muss man wissen, welche Einstellung die Gelehrten zu König David hatten und bis auf die heutige Zeit haben.

Rabba b. Bar Channa sagte im Namen R. Jochanans: Lieber beschlafe man eine Frau, die im Zweifel verheiratet ist, als seinen Nächsten in der Öffentlichkeit zu beschämen. Woher dies? Aus einem Vortrag von Rawa: Es heißt (Ps. 35): aber bei meinem Wanken freuen sie sich und rotten sich wider mich zusammen... sie zerreißen mich ohne aufhören. David sprach vor dem Heiligen, gepriesen sei er: Herr der Welt, offenbar und bewusst ist es Dir, dass, wenn sie mein Fleisch zerrissen hätten, kein Blut auf die Erde geflossen wäre. Und noch mehr: selbst wenn sie sich mit dem Lehren vom Aussatze und von den Bezeltungen befassen, sprachen sie zu mir: David, wodurch wird derjenige, der eine verheiratete Frau beschlafen hat, hingerichtet? Ich erwiderte ihnen: Er wird durch Erdrosselung hingerichtet, hat aber einen Anteil am Jenseits; wer aber seinen Nächsten öffentlich beschämt, hat keinen Anteil am Jenseits.

Raschi zu Ps. 35, 15: aber bei meinem Wanken (Wanken wird hier als Rippe interpretiert - eine Andeutung der Frau, mit der er gesündigt hat) freuen sie sich und rotten  sich wider mich zusammen... sie zerreißen mich ohne aufhören (ohne Blut zu sehen, d.h. auch wenn man mich reißt, findet man kein Blut, denn so viel habe ich gefastet und bin abgemagert).

Die Frage, die sich am dringlichsten stellt: Ergibt die Textanalyse einen tatsächlich so edlen David, wie die Gelehrten ihn zu schildern beabsichtigen?

In diesem Zusammenhang sagten die Gelehrten:

„... Lieber lasse man sich in einem Schmelzofen werfen, als seinen Nächsten in der Öffentlichkeit zu beschämen. Woher dies? Von der Tamar, den es heißt: sie wurde hinausgeführt, da schickte sie zu ihrem Schwiegervater.“ 

Raschi dazu: Sie hat es ihrem Schwiegervater überlassen zuzugeben, sie geschwängert zu haben.

Dazu muss man die Geschichte von Juda und Tamar kennen (Gen. 38).